Neu hier, 3 Geigen: Stimmriss, Bassbalken-Riss und Anschäften

  • Hallo zusammen,

    ich bin verloren.

    Weil wohl verliebt in schadhafte Geigen oder was auch immer mich dazu veranlasst, diese dann trotz besseren Wissens zu kaufen.

    Drum neu hier.

    Zur Zeit sind es 3.

    Die erste hat einen Stimmriss, die zweite wurde unsachgemäß angeschäftet (ich hoffe, das lässt sich noch ändern) und die dritte hat einen Bassbalken-Riss. Alle drei sind so wenig wert, dass die Reparatur nicht verhältnismäßig wäre, so die Expertise.

    Allen dreien gemeinsam ist, dass sie geöffnet werden müssen.

    Das Anschäften würde ich mir für später aufheben, das Öffnen würde ich aber an dieser Geige üben.


    Frage: Wie lange darf eine geöffnete Geige rumliegen? Könnte schon 1 Jahre dauern bis ich dazu komme..


    Und: die Risse unterlegen kommt bei den anderen als nächstes Experiment.

    Erst der Stimmriss, dann der Bassbalken-Riss.


    Frage: Welche Werkzeuge brauche ich für mein Vorhaben?


    Und: wenn ich bei einer hübschen Manufaktur-Geige aus Schönbacg, Ende 19. Jh. schon zwecks Unterlegung des Risses auch den Bassbalken raus nehmen muss: soll ich gleich einen neuen einbauen?

    Und: Den Möckel hab ich, bin aber zu sehr Anfängerin um mich übers Öffnen drüber zu trauen....

    Gibt es visuelle Beschreibungen, das würde mir Sicherheit geben...

    Vielen Dank euch und lieben Gruß!

    Monika

  • ... oder lebt jemand von euch in Wien oder im Waldviertel und hätte Lust, sich das bezahlter Weise mit mir gemeinsam anzuschauen...?

    Oder vielleicht auch per Videokonferenz?

    Oderoderoder....

    Keine Ahnung - ich will eigentlich nur die beiden Geigen mit Riss retten, einen möglichst guten Klang erreichen bzw. zumindest nichts schlechter machen als es ist und selbst darauf spielen.

    Seufz....

    Liebe Grüße!

  • Hmmm ... schwer einzuschätzen, ob dir das wirklich gut gelingen wird. :/ Ich sag mal so: Wenn du

    handwerklich begabt bist, dann müsstest du nicht nach den nötigen Werkzeugen fragen. Die ergeben

    sich ja aus dem, was du machen willst. Ich hab das noch nie gemacht, würde mir aber bereithalten:

    Knochenleim, Messer zum Öffnen, Schleifpapier, Fichtenhölzchen, kleiner Hobel, 10 kleine Zwingen zum

    Schließen der Geige.

    Öffnen würde ich die erst, wenn ich auch Zeit zum Reparieren haben. Ansonsten kann die auch lange

    offen herumliegen, wenn sie gut bzw. normal gelagert ist.

    Es gibt ja zahlreiche Youtube-Videos zu dem Thema, das wäre auch meine erste Anlaufstelle. :thumbsup:

  • Lieber Fiddler,

    danke für Deine Antwort!

    Wie sehr ich tatsächlich handwerklich begabt bin weiß ich nicht aber vermutlich bringe ich so einiges mit. Ich möchte aber nichts aus Selbstüberschätzung heraus kaputt machen - auch, wenn ExpertInnen an diesen drei Instrumenten nichts liegt.

    Zumindest drittere mit dem Bassbalken-Riss zieht mich optisch und klanglich an, zweitere ist eine Geige aus Ungarn mit unzähligen wilden Reparaturen und Inschriften - eher ein Buch als eine Geige. Sie wird wohl nicht klingen aber sie erzählt mir etwas...

    Ich werde morgen Fotos machen und reinstellen und weiterhin Mut sammeln um mal die erste Decke zu öffnen.

    Nachdem anscheinend keine Spezialwerkzeuge vonnöten sind ists womöglich auch für mich machbar... die nötigen Reparaturen machen zu lassen kann ich mir jedenfalls nicht leisten da sie den Wert der Geigen übersteigen und ich sie somit auch nicht über den Verkauf eines der jeweils anderen Instrumente ausgleichen könnte.

    Mal sehen.

    Lieben Gruß!

    Monika

  • Hallo Monika,


    bei dieser Geige muss der Hals neu eingesetzt werden. Dazu muss man ihn zunächst lösen, dann vermutlich am Halsfuß (vielleicht sogar an mehreren Seiten) Holz ansetzen, die Decke abmachen und schauen, ob man auch den Oberklotz austauschen muss, weil die Öffnung schon zu groß ist. Im Möckel müsstest Du die durchschnittlichen Maße dafür finden. Gut, dass Du den schon hast, das ist ein sehr gutes Buch. Ein Neck-Reset (so heißt das auf Englisch und in vielen Videos) ist aber nicht so leicht, weil alle Flächen wirklich plan sein und die Winkel stimmen müssen. Daran hab ich mich erst nach ein paar Jahren getraut. Schließlich wirken da später große Zugkräfte, und keiner will beim Spielen auf einmal die Schnecke an der Stirn haben...


    Ist das die Geige mit dem Stimmriss? Den könntest Du zuerst machen: Decke ab, den Riss leimen, ein passendes Stück Fichtenholz (Jahresringe gerade, nicht schräg oder gar quer zur Maserung der Decke) pflaumengroß oval zuschneiden, dann auf die Decke auflegen und den Umriss aufzeichnen. Leicht kleiner ausstechen (tiefste Stelle in der Mitte) und das Futter mit Hobel/Raspel/Feile genau anpassen. Den "Feinschliff" hierbei zum Schluss mit Kreide machen, siehe diverse Videos. Das wäre für mich eine Arbeit, bei der man schauen kann, ob einem diese Art der Holzbearbeitung liegt. Sie würde ich aber wirklich an einer Übungsgeige machen, falls es schiefgeht.


    Werkzeuge: Hohlbeitel, Stechbeitel, Diamant-Feilen, ein guter Satz Ziehklingen (Dictum), Hautleim, Hautleimpinsel (ohne Metall). Zum Erhitzen des Leims ist ein Gläschenwärmer für Babybreigläschen gut, notfalls tut es auch ein Topf mit heißem Wasser (nicht über 60 °C). Kreide, Schnitzmesser, Zwingen (die kräftigen Plastikzwingen aus dem Baumarkt gehen gut).


    Mit Hilfe des Möckels und diverser Videos kommt man aber schon ziemlich weit, und das ist ein sehr schönes Hobby, wenn man geduldig ist ;-)


    Viel Erfolg,

    Melanie

  • Sehe ich jetzt nicht so. (Mehrere Meinungen sind doch hoffentlich erlaubt?) :)

    Auf dem Bild sieht der Hals nicht zu flach aus. Ist im Rahmen. Habe Geigen mit noch flacherem Hals,

    die auch viel gespielt wurden.

    Eine minimale Anhebung des Griffbretts, wenn unbedingt nötig, könnte man leichter erreichen z.B.

    über eine Unterfütterung. Neu-Einsetzen des ganzen Griffbrettes mit scheint mir wesentlich schwieriger.
    Aber ich habe beides noch nicht selbst gemacht, viell. täusche ich mich auch.


    Wie groß ist denn der Saitenabstand am Grifbrett-Ende?

  • Dank an euch!

    Der Hals ist so schief, dass selbst bei leicht versetztem Steg die E-Saite in hoher Lage kaum mehr über dem Griffbrett liegt.

    Nachdem ich vor allem vor dieser Reparatur Respekt habe würde ich diese Geige einfach aufgrund der Aussichtslosigkeit mal insgesamt als Übungsobjekt zum Decke öffnen hernehmen um es bei den anderen beiden dann etwas besser zu machen..... Morgen habe ich die anderen beiden mir persönlich wichtigeren Instrumente bei mir und stelle Fotos rein.

    Und ja, ich mag mehrere Meinungen und gerne auch kontroverse!

    Vielleicht finde ich auch eine/n Geigenbauer/in in Wien, derdie mir bei besonders heiklen Schritten beistehen würde... Aber das macht halt verständlicher Weise auch keine r gern.

    Geschick ist glaube ich nicht das Thema - ich bin gespannt ob ich die nötige Geduld habe...

    Schön jedenfalls, dass es euch gibt!

  • Liebe Monika ( Fedele ),


    folgende Werkzeuge würdest du benötigen: Messer zum Öffnen der Geige, Knochenleim und Zwingen zum Zukleben des Riesses, Pinsel, Fichtenholz (alt, trocken; als Rissunterlage und zum Stimmfutter), evtl. spezielles Pergament zum Unterlegen der Risse (damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht), Hohlbeitel und Stechbeitel, Kreide, Feilen-Set, Mini-Hobel, Schleifpapier, Präzisionsmesser-Set (oder Schnitzmesser), Schleifpapier, Ziehklinge, Retuschierlack, Präzisionszirkel, selbstgebaute Zwingen zum Schließen der Geige, Wirbelseife, ... :/

    Falls die Wirbel nicht gut sind, brauchst du einen Wirbelschneider und eine Reibahle.

    Materialien: Fichtenholz, Ahorn, guter Steg, Stimmstock-Holz, evtl. Griffbrett und Obersattel (Ebenholz), evtl. neue Wirbeln


    Ich lebe nicht so weit weg von Wien, wenn Du mich persönlich treffen möchtest / meine bisherigen Projekte sehen möchtest / weitere Fragen hast, kannst Du mich gerne anschreiben ( amateur.geigenbau@gmail.com ). ;)


    Bei der Geige ist nicht das Griffbrett, sondern der Hals schief. Ich würde den Hals neu einsetzen und den Halsfuß umändern (Holz ansetzen?), damit die beiden Winkel passen. Den Stimmriss würde ich zuerst leimen, dann einen Stimmfutter machen. Melanie ( geigerlein ) hat die Arbeitsschritte schon sehr gut beschrieben. :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Student