Beiträge von geigerlein

    Corilon hat z.B. eine sehr gut erhaltene, französische Geige von ca. 1750 für etwas mehr als 10.000. Zwar ist das Zertifikat schon älter, aber München ist ja nicht so weit weg von Dir. Mich persönlich würde allerdings vom Klang her diese sächsische Geige mehr reizen ^^


    Und für eine Geigensuche kann man m.E. durchaus mal einen Kurzurlaub in Freiburg oder Hamburg oder Berlin oder sonst wo machen...

    Hast Du nicht einen Geigenbauer, der Dich unterstützt? Du könntest ihn fragen, ob Du Deine zweite Geige unter seiner Anleitung bauen darfst. Er kann Dir dann "am Objekt" wirklich weiterhelfen. Und vielleicht verkauft er Dir auch Holz, das zum Bau einer solistisch einsetzbaren Geige geeignet ist.

    Diese Rezension beschreibt ziemlich genau den Inhalt des Buches. Es scheint eine Sonderausgabe von Möckels "Geigenbaukunst" zu sein. Letzteres ist deutlich günstiger und ein sehr gutes Grundlagenbuch. Manchmal bekommt man es sehr günstig in der Bucht.

    Interessieren dürften Dich darin besonders das erste Kapitel: "Einführung in die Akustik" und "Ergebnisse elektroakustischer Geigen-Untersuchungen".


    Allerdings ist das alles Theorie und erspart einem nicht die praktischen Erfahrungen, die man nur durch die Beschäftigung mit dem Holz macht. Es gibt auch ganz unterschiedliche Ansätze, wie man einen guten Geigenklang hinbekommt. Stradivari hat z.B. Decke und Boden in der Mitte dicker gelassen als außen an den "Backen", bei Guarneri ist es manchmal genau umgekehrt. Man muss das Holz mit seinen jeweiligen Eigenschaften (Dämpfung, Steifigkeit) so ausarbeiten, dass es optimal schwingen kann. Das kann man nur beim Tun lernen. Einige Geigenbauer (z.B. Schleske) messen das Frequenzspektrum von Decke, Boden und dem zusammengebauten Instrument und versuchen, daraus Rückschlüsse zu ziehen. Er hat auch ein Buch namens "Der Klang" geschrieben. Das kenne ich aber nicht; es hat wohl viele religiöse Aspekte, was nicht jedermanns Sache ist.


    Einen sehr interessanten Ansatz hat Peter Westerlund. Er hat eine komplette Video-Reihe auf YT gemacht, in der er detailliert zeigt, wie er eine Geige baut. Er arbeitet Decke und Boden so aus, dass sie beim Anklopfen oder drüber reiben an jeder Stelle die gleiche Tonhöhe erzeugen. Aber wie alles ist auch dieser Ansatz umstritten. Ein zusammengebautes Instrument klingt anders als Decke und Boden einzeln, und es wirken einfach zu viele Faktoren, um vorhersagen zu können, wie das Endergebnis sein wird. Nur wenn man über längere Zeit ein Modell baut mit idealerweise Holz aus demselben Stamm, weiß man irgendwann, wie man die Geige ausarbeiten muss, damit sie so und so klingt.

    Dass ein Zettel sich löst, kommt vermutlich sehr selten vor. Dann müsste die Luftfeuchtigkeit so hoch sein, dass die ganze Geige aus dem Leim geht.


    Viele Geigen haben gar keinen Zettel, und von den Zetteln, die in Geigen kleben, ist ein Großteil falsch.

    Ich tippe auch auf sächsisch Anfang des 20 Jahrhunderts. Der Wert liegt hier vor allem im Klang.


    So wie es aussieht, braucht es nur einen Steg, die Stimme, einen Saitenhalter und neue Saiten, um die Geige spielfertig zu machen. Zusätzlich sollte gecheckt werden, ob es offene Stellen gibt und die Wirbel gut passen.

    Was man so liest (z.B. hier), ist der Überstand für gewöhnlich 2,5 mm und in den C-Bügeln 3 mm. Im Möckel hab ich dazu auf die Schnelle nichts gefunden, aber wenn man vom Zargenkranz aus den Umriss der späteren Geige mit Hilfe einer Unterlegscheibe, in deren Loch der Bleistift steckt, auf Decke und Boden zeichnet (wie es in vielen Videos zu sehen ist), bekommt man auch in etwa diesen Überstand.

    Oh, da wird an den Ecken kein Überstand übrigbleiiben, wenn Du die Geige danach baust. Ich hab ein bißchen den Verdacht, dass die Zargenschablone die Außenform der Zarge abbildet. Das würde auch erklären, warum die Ecken nicht wirklich spitz zulaufen.


    Du könntest bei Dictum nachfragen, wie das gedacht ist.

    Ich glaube, man kann da keine allgemeingültige Aussage treffen. Es kommt auf den Zustand der Geige an, wieviele Risse, Holzstärken, und was Du mit dem Instrument vorhast. Ist es stark bespielt und ständig unterwegs und unterschiedlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten ausgesetzt, wird natürlich häufiger was dran zu machen sein als wenn es nur zu Hause in der Vitrine hängt.

    Ich würde an Deiner Stelle zu mehreren vertrauenswürdigen Geigenbauern gehen und mich beraten lassen. Gerade wenn Du bereit bist, so viel Geld auszugeben. Wenn Du (dann) ein bißchen weißt, worauf Du achten musst, kannst Du Dich auch privat umschauen.


    Es gibt aber viele Geigen aus dieser Zeit, die aktiv von Berufsmusikern gespielt werden. Das wäre nicht der Fall, wenn sie allzu sensibel wären...