Beiträge von Braaatsch

    Hübsche sächsische Geige! Beim

    Alter bin ich mir unsicher, ich tippe eher auf Ende 19. Jahrhundert, weil ich die künstlichen Alterungsspuren ebenfalls auffällig und für ein authentisch altes Instrument ungewöhnlich fände.


    Aber wenn die Geige gut klingt, ist es egal, wer sie gebaut hat… 😉

    Ich habe mit der Interpretation der Dendro immer so meine Probleme, das weisst Du ja schon, Abalon…. 😁 Beispielsweise gehe ich immer davon aus, dass es für den Bau einer gewölbten Geigendecke eine Mindestdicke auch am Rand des gespaltenen Holzes geben muss, und somit der jüngste Jahresring des Baumes gar nicht mit „drauf sein“ kann, wenn der Baum so gespalten wurde, dass die Mitte der „Tortenstücke“ auch die Mitte des Baumes sind (was ja nicht der Fall sein muss!) . Dazu kommt natürlich, dass der Baum (theoretisch) nahezu beliebig dick gewesen sein kann, und ein guter Geigenbauer das Holz so wählt, dass der Schnitt mit dem Jahresringprofil zur Belastung der Decke passt, und sich nicht am jüngsten Jahresring orientiert. Dazu kommt Verschnitt… Die angenommenen 1cm halte ich aus diesen Gründen für unrealistisch.


    Für mich passt die Geige gut ins 19. Jahrhundert, und die Dendro widerspricht dem nicht.

    …ich könnte Dir auch ein Bild von meinem Auto schicken und fragen, was es kostet, die Karre durch den TÜV zu kriegen…sprich: Manches kann man auf den Fotos sehen, Vieles nicht- das muss sich ein Geigenbauer ansehen. Wenn er die Geige in der Hand hält, kann er Dir sagen, was gemacht werden muss, gemacht werden sollte und gemacht werden kann, und was das jeweils kostet.

    Die Frage nach den Zetteln wurde ja wcgon beantwortet, zum Wert habe ich noch eine Ergänzung: Dieser wird in Deinem Fall weniger durch den Erbauer (=nicht sehr berühmt/teuer gehandelt), als durch den Klang bestimmt. Wenn die Geige so klingt, wie andere Geigen im 500 Euro-Segment, dann ist der Wert irgendwo dort angesiedelt. Wenn sie klanglich in einer höheren/niedrigeren Lufa mitspielt, dann ist sie eher mehr/weniger wert.


    Am Besten fragst du also den Geigenbauer nach einer groben Schätzung- im Privatverkauf bekäme man davon aber eher 1/2- 2/3. Um ein gleichwertiges Instrument zu erwerben, kann man den vollen Wert (z.B. für eine Versicherng) annehmen.

    Ja, mit einer guten Klangeinstellung lässt sich da noch viel machen, wenn das Instrument grundsätzlich Potential hat (und das scheint nach Deinen Schilderungen ja der Fall zu sein). Man muss da vielleicht mit verschiedenen Saiten herumprobieren, aber da ist der Geigenbauer schon die richtigen Adresse…

    Ja, viele -nicht alle!- Musiker kennen ihre eigenen Instrumente und deren Geschichte. Aber meine Familie weiss auch nicht, was meine Instrumente gekostet haben, erst recht nicht, wenn das 20/30/noch mehr…Jahre her ist. Der Markt hat sich gewandelt, und ich finde es eher ein Zeichen von seriösem Interesse, wenn Rat gesucht wird und man sich nicht auf „Familiengeschichten“ verlässt. Wir kennen doch hier auch genug solche unter anderen Vorzeichen- garantiert echte Stradivari, weil Opa „Berufsmusiker“ (Kneipencombo…) war.


    Soweit ich das verstanden habe, geht es hier aber eher um eine Werteinschätzung, die auch vom Finanzamt akzeptiert wird und um Erbstreitigkeiten. So interessant diese Geige vielleicht auch für‘s Forum ist, für solche „offiziellen“ Sachen ist ein Geigenbauer/Gutachter die bessere Adresse.