Beiträge von Braaatsch

    Wirklich alt ist die nicht. Ich schätze irgendwann in den letzten 50 Jahren…und wahrscheinlich nach 2000. Aber Fotos können täuschen.


    Reparatur: Nach den Fotos sehe ich nix, was gemacht werden müsste. Bei Gebrauchtinstrumenten sollten aber Folgendes geprüft werden:

    Wirbel (Halten sie, laufen sie rund)

    Saiten (müssen meistens neu, da nicht sparen!)

    Steg (gerade? Saitenlage?)

    Stimmstock (steht er bzw. steht er richtig?)


    Das kann man vom Foto nicht sehen - das ist so, als würdest Du ein Auto fotografieren und fragen, wie gut es fährt.


    Am Besten gehst Du bei einem Geigenbauer vorbei, und lässt die durchchecken.

    Das ist eine sehr einfach zu erkennende Kopie. Die Bauart, der Lack, die Holzqualität, die Verarbeitung- alles nicht mal im Ansatz „Stradivari“. Das ist so, als würde man einen Mercedesstern auf einen Skoda kleben. Da würde keiner, der sich mit Autos auskennt, glauben dass der Skoda ein Mercedes ist.


    Mit Geigen ist das ganz genauso. Nur glauben viele Leute, dass wenn da ein Zettel reingeklebt wurde, dass die Geige dann wertvoll ist und der Zettel stimmt. Und dann bezahlen diese Leute viel Geld. Und weil es genügend Leute gibt, die auf diese Zettel reinfallen, werden immer noch falsche Zettel in irgendwelche Geigen geklebt.

    Sachsen/Böhmen (das war damals eine zusammenhängende Geigenbauregion, ungefähr um Markneukirchen/Schönbach/Eger/Graslitz/Klingenthal und Umgebung), um 1900.


    Der Lack ist nicht das grösste Drama, das ist nur optisch, sondern der deutliche Stimmriss (das ist der Riss, der parallel zur Deckenfuge verläuft).


    Das Positive: Prinzipiell, mit viel Zeit oder viel Geld lässt sich die Geige schon wieder flottkriegen.


    Das Negative: Das, kostet etwa das 5-10fache dessen, was die Geige hinterher wert ist.


    Diese Geige wäre ein ideales Übungsobjekt für jemanden, der gerne selber Geigen repariert. Das macht Spass, und man kann dabei sehr viel lernen, was einen bei dem „guten“ Spiel-Instrument weiterbringt.

    Klar sollte man sich bei Fragen an Fachleute wenden… Aber es ging ja darum, dass solche Gespräche natürlich immer wieder auch unter Hobbymusikern/Kollegen/Freunden/….Nichtfachleuten entstehen.


    Und ja, natürlich gibt es bessere Geigen als die spezifische chinesische, um die es hier geht. Die gibt es IMMER (gut, vom logischen Standpunkt gibt es ein Instrument, was „das Beste“ ist und was dann nicht mehr zu toppen ist…). Aber es gibt eben auch viele, viele schlechtere Geigen. Und die Geige, um die es geht, ist für die Ansprüche völlig passend und wird nur schlechtgeredet.


    Also eigentlich das gleiche Gemecker, was Besitzer sächsischer/böhmischer/rumänischer…Manufakturinstrumente seit Jahren kennen.

    Wieder noch ein Nachtrag: Ich habe sowohl andere als auch ähnliche Erfahrungen gemacht.


    Die ähnlichen Erfahrungen -Benörgeln von Instrumenten- habe ich mit eher mässigen bis guten Spielern gemacht.


    Die anderen Erfahrungen habe ich mit echten Profis gemacht (Solisten, Mitglieder namhafter Orchester, „alte“ Musiker). Mit den Meistern ihres Faches, die in der Lage sind, auch einem einfachen Instrument zauberhafte Töne zu entlocken. Die sich über ihr Können, nicht über das Instrument definieren. Und wirklich ALLE derer (4 an der Zahl) hatten/haben bezüglich meiner sächsischen Manufakturinstrumente („buuuuuh, Böhmenschrappen!!!“) eine ganz andere Meinung. Die sagen mir -wenn ich auch so Anwandlungen kriege von wegen „besseres Instrument kaufen müssen“- dass es nicht am Instrument liegt (wenn es wie meine die „Mindeststandards“ mehr als erfüllt!!!) , dass man sich Können nicht kaufen kann, und dass ich erstmal mein Geld weiter in Unterricht stecken soll… Kurz, übereinstimmend, und sehr ehrlich: „Lern Du erst mal ordentlich spielen- das Cello kann augenblicks deutlich mehr als Du. Wenn Du so weit bist, dass das Instrument Dir Grenzen setzt, wird sich was finden. Aber im Augenblick bist DU das Problem, nicht das Cello….“ Recht haben sie….!

    Ich kann Dich verstehen- ich finde auch alte Sachen schön. Ich würde auch lieber in einer Jugendstilvilla wohnen als in einer Wohnung. Aber erstens kann ich mir das nicht leisten, und zweitens muss man so viel putzen. 🤪


    Ich finde auch Oldtimer schön. Aber der Kosten-Nutzen-Aufwand ist für mich nicht tragbar. Ich finde auch alte Ölgemälde schön, aber ich kann sie mir nicht leisten, und Platz habe ich auch nicht dafür.


    Will sagen: Ich kann auch Dinge schön finden, ohne sie besitzen oder „anhäufen“ zu müssen. Ich kann neidlos all die Stradivaribesitzer bewundern, und geniesse es, dass sich nicht mein ganzes Leben um die Pflege und Bewachung eines solchen Instrumentes dreht.


    Klar kannst Du Dir -irgendwann- die EINE Traumgeige kaufen. Aber ob Du die „Kritiker“ damit ruhigstellst? Ob diese dann „gut genug“ ist? Hast Du dir dann die Anerkennung im „richtigen Club“ gekauft…? Und wie Erich Kästner so schön sagte: „Ein jeder Wunsch, der sich erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ Du warst (…bist eigentlich) glücklich mit der Geige. Du hast sie aus vielen Instrumenten ausgewählt, ihr „passt zusammen“. Du kannst x Instrumente kaufen, an jeder Geige wird sich etwas finden lassen, und es gibt immer noch schönere, ältere und bessere Instrumente.


    Letztendlich kannst Du ein Vermögen investieren, und auch das ist keine Garantie dafür, dass nicht irgendwer um die Ecke kommt und blöde Kommentare macht.


    Und übrigens, was geht es denn andere Leute an, was für eine Geige du spielst? Meckerst Du auch ungefragt über andere Instrumente? Sollen die sich doch um ihre eigenen Instrumente kümmern! Deine Geige, deine Entscheidung. Ende der Durchsage. 😉

    Und wer sagt, dass man als Erwachsener mit kurzen Fingern auf einer 4/4 spielen MUSS und auf einer 3/4 nicht spielen darf..??? ;-)


    Mach dich frei von den Urteilen Anderer, und mach es so, wie es für DICH passt. Es ist doch dein Hobby, oder? Und das soll DIR Spass machen. nicht „den Anderen“.