Zufallsfund Violine 19. Jhd: Schrott oder Reparatur?

  • Hallo in die Runde,
    Ich habe diese Geige auf einem Sperrmüllhaufen gefunden. Als ich gesehen habe, dass sie aus dem 19. Jahrhundert stammt konnte ich sie nicht dem Müllauto überlassen.

    Einziger Anhaltspunkt: Der Aufkleber eines Geigenbauers "1885", den Namen kann ich nicht wirklich entziffern. Vielleicht hier jemand?

    Die Geige ist in ziemlich schlechtem Zustand, an der Seite klafft ein Loch (Bruchstück vorhanden). Aber der Rest scheint in Ordnung, auch der Originalsteg ist da - wenn es sich lohnt kann man ja viel reparieren.

    Viele Grüße!

  • Danke für das Retten aus dem Müll!

    Stell doch bitte noch ein gutes Foto vom Boden, von der Bodenfuge ein.

    Die Geige scheint ansonsten komplett und relativ problemlos zu reparieren. Dem Zettel,

    repariert in Apenrade (Dänemark) würde ich jetzt mal vertrauen, die ist echt alt.

  • Schöne Geige! Sie ist es auf alle Fälle wert, gerettet zu werden. Es ist gut, dass keine Teile des Korpus fehlen. Sie zu ersetzen, ist eine recht langwierige Angelegenheit. Was ich an Schäden sehe, ist gut zu reparieren. Wenn Du das nicht selbst machen willst, hätte ich Interesse an der Geige.


    Der Name auf dem Zettel könnte H. J. Saulfen oder Taulfen heißen.

  • Danke vielmals für die Antwort und die Hinweise!
    Ich weiß noch nicht genau, wie ich das mit der Geige machen werde - aber ich weiß ja jetzt wo ich Sie finden kann!
    Würden Sie sich aus dem Fenster lehnen und schätzen was eine ca. Restauration kosten würde? Ich meine es ist ja ein Unterschied ob es 1000 oder 8000 kosten würde :)
    Viele Grüße

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    Würden Sie sich aus dem Fenster lehnen und schätzen was eine ca. Restauration kosten würde? Ich meine es ist ja ein Unterschied ob es 1000 oder 8000 kosten würde :)
    Viele Grüße

    Also 8000 € bestimmt nicht, aber 1000 könnten es schon werden mit dem Wiederherstellen des Korpus, Rissversorgung, Abrichten des Griffbretts, evtl. neue Wirbel, neuer Obersattel, Steg, Stimme und Saiten. Nicht zu vergessen ein brauchbarer Bogen, Kolophonium und ein Kasten.

  • Ich sehe da aber doch einiges an Reparaturbedarf. Da sind einige Fugen durch Feuchtigkeit aus dem Leim gegangen, auch die Bodenfuge scheint betroffen zu sein. Die Kosten der Reparatur übersteigen den Wert vermutlich weit. Da müsste die Geige nachher schon aussergewöhnlich gut klingen.

    Trotzdem ist es schön, dass du die Geige gerettet hast. Ein Hobbygeigenbauer, der seine Zeit nicht rechnen muss, freut sich bestimmt über die Herausforderung.


    Zeige die Geige mal einem Geigenbauer und geb uns bitte eine Rückmeldung.

  • Hallo zusammen,

    Erst einmal vielen Dank Norbert V. für die Einschätzung!


    Es gibt zwei weitere Meinungen - zunächst bin ich in der glücklichen Lage, dass ein echter Kenner aus Dänemark meine Fotos angeschaut hat und folgendes zu sagen hat:


    "In 1885, Åbenrå (as we spell the name of that town in Danish)..was part of Germany (since we lost Schleswig Holsten in 1865)...so that explains the german spelling.

    I have no record of any professional violinmaker in Aabenraa from that time (or any maker at all..!) The only Poulsen I have is a maker and repairer, Hans Poulsen, but he was already working in Copenhagen a few years before 1885...

    There were a lot of carpenters, school teachers etc at that time all over the country who did some repairwork on the side - and in those days it was common to insert a label even if it was just a small repair since it was a free source of advertizing your name around in the musical circles."


    Dann gab es eine unverbindliche Schätzung von dritter Stelle (auch via Fotos):

    This violin appears to be German trade work from the late 19th Century. Such violins typically make in the range of £180 to £350 at auction.


    Der nächste Schritt wäre dann wohl der Gang zum Geigenbauer :-)

    Wie die Geschichte dieses Zufallsfundes weiterging folgt dann bei Zeiten an dieser Stelle!

    Viele Grüße!