Aegidius Kloz ?

  • Hallo zusammen,


    ich habe hier einen etwas schwierigen Fall. Es handelt sich um die Geige einer Bekannten, ich hatte sie kurz in der Hand. Der Stimmstock stand noch, es war möglich, sie provisorisch spielfertig zu machen, Risse habe ich keine erkennen können. Eckklötze sind vorhanden.


    Der Klang erscheint mir vergleichsweise stark, hell, silbrig, auf den unteren Saiten etwas nasal, insgesamt angenehm und durchaus tragfähig.


    Die dunkle Lackschicht blättert ab.


    Habt ihr Hinweise, worum es sich handeln könnte?


  • Eine echte Klotz Geige ist es nicht.

    Eine alte, heruntergekommene und nicht sehr hochstehende Böhmenfidel nehme ich an. Die Jahresringe zeigen weit auseinander stehende Linien. Für mich noch kein Grund, warum sie nicht gut klingen sollte. Der Zustand der Geige ist einfach so, dass sie schwer verkäuflich ist mit dem Lackbild. Das wär so eine richtige Bastelgeige, zum neu Lackieren. ;-)

    Oder ist da jemand ganz anderer Meinung.

  • Es handelt sich vermutlich um eine Geige. ;-)



    Spass beiseite, Böhmen um 1900 herum oder kurz vorher. Solides Schüler-und Hobbyinstrument mit Charme. Da würde ich nix dran lackieren, das ist „vintage Patina“. Neulackierung muss gekonnt sein, als Laie oder Amateur macht man das meistens eher schlimmer.

  • Meine Bekannten wollen eher wissen, ob es sich lohnt, die Geige von einem Geigenbauer aufarbeiten zu lassen, um sie dann ihrer Tochter als Schülerinstrument geben zu können. Ich wage zu behaupten, dass der abblätternde Lack (man hat tatsächlich beim Anfassen Fetzen des Lacks an der Hand) als nicht so charmant angesehen wird. Da wirkt eine glänzende (wenn auch einfache Manufaktur-) Geige, die wahrscheinlich die Alternative als Schülerinstrument wäre, auf den ersten Blick hochwertiger.


    Ist es möglich, dass sie im Laufe ihres Lebens mal (wenig fachgerecht) überlackiert wurde?

  • Das kommt ganz auf den Klang an und darauf, ob das Töchterlein lieber ein altes oder ein neues Instrument möchte. Bei Kindern bis ins Teenager-Alter spielt die Optik eine grosse Rolle. Ein altes Instrument kann als „cool“ empfunden werden, oder als „schäbig“. Damit steht und fällt alles.


    Lack: Nein, der ist nach 110-130 Jahren einfach ausgetrocknet. Die haben damals einfachen Spirituslack genommen, und die Geige wurde lacktechnisch eben auch wenig gepflegt. Das ist aber ein vorrangig optisches Problem.

  • DIe Kosten einer fachgerechten Aufarbeitung beim Geigenbauer würden den merkantilen Wert sicherlich übersteigen.

    Wenn man beabsichtigt die Geige wieder zu verkaufen, lohnt es sich nicht. Da wird auch ein ev. guter Klang nicht helfen.

    Wenn mann selbst spielt oder sammelt, kann man auch an so einem Instrument Freude haben.

    Ich habe auch Instrumente, bei denen die Instandsetzungskosten den Wert überstiegen haben, ohne dass ich es bereut hätte.

  • ...Dazu muss man aber auch sagen, dass die Anschaffung einer neuen Geige ihren Wiederverkaufswert auch übersteigt.


    Beispiel: Angenommen, Person A investiert jetzt 300 Euro und macht die Geige wieder flott. A verkauft sie nach 10 Jahren für 250 Euro. Person B kauft sich eine neue Chinageige für 300 Euro. B verkauft diese nach 10 Jahren für 80 Euro.


    Wer hat das bessere Geschäft gemacht...?


    Alte Instrumente der „Amateurklasse“ wieder zu restaurieren lohnt sich für einen direkten Verkauf nicht, zum Selberspielen jedoch oft schon. Diese Instrumente sind deshalb „nix wert“, weil sie ihren Wertverlust schon hinter sich haben. Bei einem neuen Instrument der Amateurklasse steht dieser noch bevor.


    Anders sieht es aus, wenn man sich in andere Preisklassen bewegt, und gleich in „wertstabile“ Instrumente investiert. Diese sind aber nur bei sorgsamem Umgang (Stichwort Wertverlust durch Beschädigungen) „wertstabil“, und gehören daher nicht in Kinderhände.


    Sprich, als Schulgeige ist die sicher brauchbar, entscheidend sehe ich hier immer noch den Wunsch des Kindes. Ein Instrument, das nicht gefällt kann jede Motivation töten, und andersherum kann ein attraktives/als cool empfundenes Instrument die Motivation steigern.

  • Beispiel: Angenommen, Person A investiert jetzt 300 Euro und macht die Geige wieder flott. A verkauft sie nach 10 Jahren für 250 Euro. Person B kauft sich eine neue Chinageige für 300 Euro. B verkauft diese nach 10 Jahren für 80 Euro.


    Wer hat das bessere Geschäft gemacht...?

    Das stimmt schon, dein Beispiel. Und wie immer gibt es Ausnahmen ... wenn man z.B. eine Geige aus China direkt kauft

    und nicht über einen deutschen Händler. Dann kann man damit sogar gute Gewinne machen. Man ist dann sozusagen

    selbst der Händler. :)

  • Zum Beispiel der Käufer dieser Geige, den kann ich nur beglückwünschen. Eine „Master“-Violine, das ist

    die höchte Katrgorie bei denen, für 260,- EUR, incl. Versand und Zoll werden das etwa 400,- EUR ... in

    der Qualität kann man die hier für das Doppelte von privat verkaufen.


    https://www.ebay.de/itm/Master…nc&_trksid=p2047675.l2557


    Aber man muss sich auch auskennen und Ahnung haben, den Stimmstock aufstellen und neue Saiten

    aufziehen usw. ... also sicher nichts für „jedermann“.