Geige 19. Jhdt? Initialen E. W.?

  • Schönen, guten Abend liebe Forumsteilnehmer!

    Wir haben heute einen typsichen Dachbodenfund im Haus meiner verstorbenen Großeltern gemacht. Die Geige ist in einem sehr schlechten Zustand, wir würden trotzdem so gerne wissen, aus welchem Jhdt. sie stammt und wer der Macher mit den Initialen E. W. sein könnte. Habe leider gar nichts dazu finden können.

    Was wir wissen ist, dass sie seit mind. Ende des 19. Jhdts im Familienbesitz ist und sie möglicherweise aus Wien stammen könnte.


    Besten Dank für eure Hilfe und Einschätzung,

    Beste Grüße, Franz

  • Verzeihung, dass sie seit anfang 1900 im Besitz sein sollte. Verschrieben :-)

  • Kein Problem. Ende des 19. Jhd. und Anfang 1900 liegen ja nur 1 Minute auseinander :D


    Zur Geige: Das ist eine Manufakturgeige in schlechtem Zustand. Es lohnt eher nicht, die professionell

    herrichten zu lassen. Der Wirbelkasten/die Schnecke gefällt mir nicht, die sieht unproportioniert aus.
    Positiv ist, dass sie keine größeren Schäden hat. Zu E.W. weiß ich nichts.

  • Na, das sieht dramatischer aus als es ist. Das, was fehlt -Saiten, Steg, wahrscheinlich Stimmstock- müsste nach so vielen Jahren eh ausgetauscht werden. Dazu kommt hier das Überarbeiten/Ausbuchsen der Wirbel, und mal ein bisschen putzen (da kann man mit einem trockenen Staubtuch selber schon mal das Gröbste beseitigen!)


    Zum Alter: Um 1900 herum wäre auch meine Einschätzung.


    Herkunft: Hier wären Bilder auf weissem Hintergrund/Bettlaken bei Tageslicht hilfreich, um den Lack besser beurteilen zu können. Hat die Geige eine durchgehende Unterzarge?


    Es könnte sich um eine süddeutsche Arbeit (Mittenwald) handeln, aber auch böhmisch wäre möglich. Die Schnecke/Wirbelkasten ist zwar etwas schief, dafür ist das Bodenholz recht schön (und der Boden einteilig), und auch die Gesamtverarbeitung ganz in Ordnung. Da könnte also ein guter Klang drinstecken, muss aber nicht.


    Der Klang ist auch das letztendlich entscheidende Wertmerkmal. Augenblicks ist das ein „Überraschungsei“.


    Der Zettel hat keine Bedeutung, das dürfte ein Besitzerzettel sein, und hat mit dem Erbauer (Manufaktur) nix zutun.

  • Vielen, vielen Dank an euch für die schnellen und ausführlichen Antworten!!! :-)

    Wir werden mal überlegen, was wir mit dem geschichtsträchtigen Stück machen werden. Hat angeblich mein Urgroßvater darauf gespielt. Wäre irgendwie schade sie herzugeben. Vielleicht findet sie einen Ehrenplatz bei uns.4

    Nochmals ganz herzlichen Dank und schönen Abend!

    LG Franz

  • ...herrichten lassen und selber drauf spielen. Dass Geigenspiel der sagenumwitterte heilige Gral des Instrumentalspiels ist, den nur Halbgötter erreichen, ist ein sich hartnäckig haltender Mythos. Das kann man in jedem Alter erlernen- man wird eben nicht mehr der Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, aber um Freude an der Musik zu haben und für ein bisschen einfacheren Mozart reicht es allemal, sofern man in der Lage ist, eine Tonleiter zu singen.