Was ist meine Geige wert? Wertauskunft. Herkunftsanalyse

      Was ist meine Geige wert? Wertauskunft. Herkunftsanalyse

      Erbstück Geige/Violine - kann mir jemand sagen, ob die Geige etwas wert ist?
      Im Inneren der Geige befinden sich 2 Zettel: 1 Amati-Zettel mit dem Druck "Antonio Hieronymo Amati di Cremona, 1620" sowie ein 2. Zettel [mit handschriftlichen Ergänzungen bei der (Service-)Nummer und beim Jahr] "Akustischer Baßbalken und reparirt von J. Karl Zach jun., No 4549, Wien, Kärnthnerstraße Nr. 84, anno 1888".
      Sie hat eine Gesamtlänge von 58 cm, eine Höhe von 3,5 cm und eine Breite von 20,2/10,7/16,4 cm.
      Die Geige hat einen Fleck auf der Rückseite und wurde das letzte Mal um 1940 gespielt.
      Images
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      Der Fleck sieht für mich auf dem Foto nach einem Feuchtigkeitsschaden aus. Da müsste man mal sehen, inwieweit das nur ein Lackproblem ist, oder ob das Holz in Mitleidenschaft gezogen wurde. Es handelt sich nicht um eine echte Amati, sondern um ein Instrument, welches in Anlehnung an die Maße von Amati entstand, vermutlich Mitte des 19.Jahrhunderts.

      Der Wert hängt stark vom Klang ab, und vor allem vom Schaden am Boden. Eine seriöse Schätzung ist daher vom Foto kaum möglich. Ich rate Ihnen, einen oder mehrere unabhängige Geigenbauer aufzusuchen und das Instrument dort vorzustellen.
      Sehr geehrter Braaatsch,

      ich habe die Geige schon einmal im Dorotheum in Wien begutachten lassen; dort meinte der Geigenschätzmeister, dass es sich um eine Mittenwalder Meistergeige, gebaut um 1780/1790 handelt - ist dieser Einschätzung realistisch? Der Wasserfleck war für ihn nicht gravierend, da er nur oberflächlich ist und nach einer Bleiche, Nachlackierung und Imitation nicht mehr sichtbar wäre.
      Mich würde mehr der Riss oder Kratzer am Wirbelkasten stören.
      Des weiteren sieht die Geige aus, als wäre sie schon mit einer Maschine teilweise geformt (ala Füssener Kopie).
      Ich tippe auf anfangs 1900 Jahrhundert von einem "Schachtelmacher" (Geigenbau Teile Bauer).

      Die Bemerkung von Helga Krames: "dass es sich um eine Mittenwalder Meistergeige, gebaut um 1780/1790 handelt".
      Dies war wahrscheinlich ein Verschreiber und sollte 1880/1890 heissen.

      Von Amati oder einem anderen Geigenbauer um 1780/1790 ist diese Geige leider nicht.

      Freundliche Grüsse
      Violix
      Die Herkunft Mittenwald ist glaubwürdig. Beim Alter tue ich mich schwer, aber das ist ohne das Instrument in der Hand zu haben immer schwierig. Eine Schätzung in Natura ist immer aussagekräftiger. Da das Instrument aber schon einen modernen Hals hat, würde ich es eher ins 19. Jahrhundert einordnen. Vielleicht auch 1830/40, aber gefühlt doch jünger. Ich kann allerdings nicht sehen, ob sie einen Anschäfter hat. Wie gesagt, ich empfehle noch mal mehrere Meinungen in Natura.

      "Meistergeige" ist ein recht dehnbarer Begriff- solange man keinen Meister feststellen kann (= es irgendwelche Signaturen gibt oder ein Instrument so typisch ist, dass es einer Familie/einem Meister zweifelsfrei zugeordnet werden kann) ist das etwas irreführend, klingt aber immer eindrucksvoll. Man kann einfach kaum sagen, ob dieses Instrument ein Meisterinstrument ist, oder von einem Gesellen in einer Werkstatt geschaffen wurde…. Es ist aber für den Wert auch fast egal, solange man den "Meister" nicht kennt. Solange es keine sächsische Manufakturgeige ist…. :)

      Wasserschaden: Solange der nur oberflächlich ist, würde ich da nichts dran machen.

      Wert: Alte Mittenwalder Instrumente sind schon noch was wert, allerdings sind die Preise allgemein für Geigen in den letzten Jahren sehr gefallen. Da der Wert bei einem "namenlosen" Instrument stark vom Klang abhängt, ist eine Schätzung vom Foto in diesem Fall schwierig. Die Geige kann 2000 wert sein, wenn sie wie eine 2000 Euro Geige klingt. Sie kann aber auch 10.000 wert sein, wenn sie entsprechend klingt.

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      Helga Krames wrote:

      Sehr geehrter Braaatsch,

      ich habe die Geige schon einmal im Dorotheum in Wien begutachten lassen; dort meinte der Geigenschätzmeister, dass es sich um eine Mittenwalder Meistergeige, gebaut um 1780/1790 handelt - ist dieser Einschätzung realistisch? Der Wasserfleck war für ihn nicht gravierend, da er nur oberflächlich ist und nach einer Bleiche, Nachlackierung und Imitation nicht mehr sichtbar wäre.


      War das Janos Barbarossa?
      Er mag ein guter Geigenbauer sein, doch seine Expertisen sind von zweifelhafter Qualität. Es werden zig von ihm begutachtete Geigen so a'la Katze im Sack im Internet oder Flohmärkten angeboten.
      Sie werden wohl Ihre Gründe haben, warum bis dato der Kauferfolg trotz seiner Expertise ausblieb?
      Vielen Dank für die vielen Beiträge.
      Leider habe ich den Namen des Geigenschätzmeisters aus dem Dorotheum nicht - die Schätzung fand im Jahr 2009 statt. Beim von ihm genannten Alter - knapp vor dem 18. Jahrhundert, vermutlich 1780-1790 - habe ich mich sicher nicht geirrt, weil ich sämtliche seiner Aussagen mitgeschrieben habe. Er hat auch erwähnt, dass die Schnecke eine spätere Ergänzung - vermutlich um 1830 aus einer deutschen, vermutlich norddeutschen Werkstatt ist.
      Gibt es im Wiener Raum einen seriösen Geigenschätzmeister, der bei diese Violine auch gleich den Klang festzustellen kann? Ich kann dieses Instrument leider nicht spielen.
      Hmmmmm, es ist immer schwierig, wenn Hilfesuchende nach und nach mit immer mehr Details herausrücken, die für die Schätzung wichtig sind.

      Meine Altersschätzung habe ich unter anderem genau an der Halskonstruktion festgemacht. Auf den Fotos kann man eben NICHT sehen, dass der Hals ersetzt wurde...dazu fehlen Detailbilder. und dann kommt eben eine Schätzung von 1840/50 (die ja von 1830 wirklich nicht weit weg ist) und der Fragesteller wundert sich...
      ...

      Ein nicht mehr komplett originales Instruent fällt deutlich im Wert. Fraglich ist auch, was genau am/vom Hals ersetzt wurde. Das kann man von Fotos einfach nicht einschätzen (zumindest nicht von den obigen!).

      Also, mehrere Geigenbauer ausuchen!Wenn es um den Verkauf geht, muss man von den genannten "Wertgutachten" noch mal die Hälfte (mindest) abziehen, , da es sonst schwierig wird, Käufer zu finden. Heute sind einfach viel zu viele gute -auch antike- Instrumente auf dem
      Markt.